Zwischen Ton, To-do-Listen und Zucchini
Was du als Small Business Owner oft hörst? „Ach, du hast ja ganz viel Zeit.“
Klar. Total. So viel Zeit, dass ich manchmal gar nicht weiß, wohin damit. Zum Beispiel morgens, wenn ich noch nicht mal meinen Kaffee ausgetrunken habe und schon die ersten drei E-Mails beantworte, neue Bestellungen checke, Material nachbestelle und gleichzeitig versuche, mich daran zu erinnern, ob ich den Kaffee eigentlich überhaupt schon getrunken habe.

Von außen sieht es nach einem gemütlichen Alltag aus. Ein bisschen Ton, ein bisschen kreativ sein, bisschen so rumbasteln und bisschen hübsch verpacken und dann den Tag genießen. Die Wahrheit? Unser aller Alltag als Small Business Owner Alltag besteht aus einer ziemlich langen Liste an Aufgaben und die hat es in sich.

Wir sind alles – und zwar alles gleichzeitig
Wir sind nicht nur die, die am Tisch sitzen und Keramik formen (oder Schmuck herstellen oder oder oder). Wir sind auch Buchhaltung, Kundenservice, Marketing, Einkauf, Logistik und Social Media – und zwar alles gleichzeitig.
Wir planen neue Produkte, entwerfen Designs, recherchieren Materialien und verhandeln Preise. Wir bestellen Ton, Glasuren, Verpackungen und Zubehör, vergleichen Angebote und ärgern uns regelmäßig über Versandkosten. Wir falten Kartons, kleben Etiketten, stempeln Kärtchen, richten Produktsets her und organisieren unseren Lagerbestand so, dass wir am nächsten Tag auch noch wissen, wo was ist.
Wir machen Produktfotos, arbeiten uns in neue Systeme und Programme ein, schreiben Texte für Shop und Blog (die eben meistens nachts und auch noch zwei verschiedene, den zweiten gibts übrigens hier: UNGLASIERT), machen und bearbeiten Bilder und Videos, planen und designen (ob wir wollen oder nicht) Content für Social-Media-Posts und denken uns Ideen für Reels aus. Wir beantworten Nachrichten auf Instagram, beantworten Kundenfragen per Mail, im Shop, auf Etsy, per PN und auf Facebook, schreiben Dankesnachrichten nach Bestellungen und versuchen dabei immer freundlich zu bleiben. Auch nach der zehnten „Kannst du mir das vielleicht noch schnell bis morgen machen?“-Mail an einem Samstagabend.

Wir recherchieren SEO-Begriffe, aktualisieren unsere Websites und Shops, schreiben Newsletter, überlegen uns Verpackungsdesigns und tüfteln an neuen Kollektionen. Wir überlegen uns Namen für neue Produkte, texten Etiketten, entwerfen und drucken Beileger, designen Werbematerial und geben es in Auftrag und formulieren die Hintergründe und Geschichten rund um unsere Stücke aus.

Wir bringen Pakete zur Post, verfolgen Sendungen und geben Auskunft darüber, kümmern uns um Retouren, rechnen Versandkosten durch, schreiben Rechnungen, machen unsere Buchhaltung und versuchen dabei noch, nicht die Nerven zu verlieren, wenn ein Formular wieder mal nicht so funktioniert, wie es soll.
Und wenn dann abends alles erledigt ist, beantworten wir noch schnell ein paar Nachrichten auf dem Handy. Nur ganz kurz. Und schreiben eine Notiz für eine neue Idee, die uns unter der Dusche eingefallen ist. Und planen nebenbei schon den nächsten Newsletter. Geht euch das auch so? Bitte sagt ja!

Die Sache mit dem „Zu Hause arbeiten“
Von außen klingt das oft nach superviel Freiheit. Und klar, es ist schön, unsere Zeit selbst einteilen zu können. Aber es heißt auch: immer erreichbar sein, immer mitdenken, immer einen Schritt voraus sein. Und: immer wieder unterbrochen werden.
Wir können mitten im kreativen Flow sein und dann klingelt es an der Tür. Grrrrrr… Das heißt für mich Z. B. : Ton wegpacken, alles luftdicht verstauen, aufpassen, dass kein Schälchen jetzt auf die Schnelle irgendwie eintrocknet und dann weggeworfen werden muss, Hände waschen, Idee vergessen, Smalltalk führen, wieder zurückgehen und versuchen, mich zu erinnern, bei welchem Arbeitsschritt ich eigentlich war.
Irgendwann habe ich angefangen, einfach die Klingel auszuschalten. Was schade ist, denn meistens mag ich die Menschen, die vorbeikommen, ja sehr.

Feierabend ist eine Fata Morgana, eine Legende, ein fernes Gerücht … 😉
Feierabend gibt es eigentlich nur in der Theorie. Klar, irgendwann legen wir das Handy weg und machen das Licht aus. Aber im Kopf rattert es weiter. Neue Ideen, To-do-Listen, Dinge, die wir morgen nicht vergessen dürfen. Und manchmal sitzen wir dann doch wieder abends am Handy, beantworten Nachrichten und Anfragen oder schreiben spontan noch einen Text, weil uns gerade eine gute Formulierung eingefallen ist.
Und wenn dann alle anderen längst auf dem Sofa sitzen, stehen wir vielleicht noch mit einer Tasse Tee in der Werkstatt, schauen uns frische Stücke an und überlegen, welche Farbe zu welcher Kollektion passt.

Viel Arbeit und ganz viel Liebe
Ja, es ist viel Arbeit. Ja, es ist manchmal chaotisch, anstrengend und ein kleines bisschen verrückt. Und ja, wir ignorieren leider manchmal die frisch geernteten Zucchini, Kuchen oder Kastanien der Nachbarn, weil wir gerade ein Produktfoto machen oder einen Text fertig schreiben.
Und ganz oft, wenn wir uns tagsüber Zeit nehmen, um mit jemandem einen Kaffee zu trinken oder shoppen zu gehen, dann müssen wir das abends nacharbeiten. Denn es ist keine Zeit, die wir haben, sondern Zeit, die wir uns nehmen. Und die wir, wenn andere dann Feierabend machen, wieder dranhängen müssen.

Wir sind nicht fertig mit unserer Arbeit um eine bestimmte Uhrzeit und gehen nach Hause. Und das ganz normale Leben und unser Alltag finden auch noch irgendwo zwischendrin statt.

Aber ganz ehrlich: Ich würde nichts davon eintauschen. Denn trotz all der Aufgaben, der To-do-Listen und der langen Abende steckt in jedem Schritt ganz viel Herz. Und genau das macht es für mich so besonders.
Also nein, wir haben tatsächlich leider nicht „so viel Zeit“. Aber dafür ganz schön viel Leidenschaft für das, was wir tun ❤️
Und jetzt du:
Kennst du dieses „Ach, du hast ja Zeit“ auch? (Bitte sag ja)
Oder läuft dein Alltag ganz anders (was ja superwünschenswert wäre)?
Schreib’s mir gern :) oder nimm den Text einfach für dich mit in deinen Tag.🫶✨
Eva






