Warum Frauen einander missgönnen

Konkurrenz statt Support: Warum fällt es Frauen oft so schwer, einander zu gönnen?

Ehrlich: Wie oft hast du es schon erlebt oder selbst gespürt? Ein subtiler Blick, eine spitze Bemerkung zwischen den Zeilen oder dieses leise, unangenehme Gefühl von Missgunst, das sich plötzlich reinschleicht. Sei es im Job, im Alltag oder ganz extrem in der virtuellen Welt.

Eigentlich könnten wir Frauen doch die mächtigste Allianz der Welt sein. Warum verhalten wir uns dann im Alltag oft so gar nicht wie Verbündete? Warum fällt es uns manchmal so verdammt schwer, einander von Herzen was zu gönnen? Und warum tut Abwertung von einer anderen Frau eigentlich doppelt so weh? Ganz einfach: Weil wir instinktiv eigentlich nach Schutz, Wohlwollen und Verständnis beieinander suchen und dann bitter enttäuscht werden.

Aber bevor wir uns jetzt alle kollektiv an die eigene Nase fassen und in Selbstzweifeln versinken, müssen wir vorab eine ganz entscheidende Frage stellen: Kommt uns das vielleicht nur so vor?

Zweierlei Maß: Warum der Ellenbogen das Geschlecht wechselt

Wir müssen verdammt aufpassen, dass wir uns hier nicht selbst den Schwarzen Peter zuschieben.

Denn die Gesellschaft misst hier von jeher mit völlig zweierlei Maß.

Wenn zwei Männer im Job oder Privatleben hart aneinandergeraten, gilt das als cooler, sportlicher Konkurrenzkampf. Die fetzen sich kurz wie zwei Alphatiere, klären die Fronten und gehen danach zusammen ein Bier saufen, Sache erledigt. Und bei uns Frauen? Wenn wir einfach mal nicht miteinander können, heißt es sofort „Stutenbissigkeit“ oder „Zickenterror“… „Dramaqueen“… ich könnte die Liste unendlich lang fortführen.

Derselbe Ellenbogen, der bei Männern als Durchsetzungsstärke gefeiert wird, wird bei Frauen als charakterliche Schwäche oder Hysterie abgestempelt. Weil die Welt von uns Frauen immer noch das Klischee der permanent harmonischen, fürsorglichen Wesen erwartet, schockiert uns weibliche Konkurrenz viel mehr. Wir werden an einem moralisch höheren Standard gemessen. Und genau das macht die Wahrnehmung im Alltag doppelt extrem udn richtig schlimm.

Der Blick in den eigenen Spiegel: Unsicherheit statt Naturgesetz

Trotzdem dürfen wir die Augen vor der Realität nicht verschließen. Ja, es gibt sie, die Gemeinheit untereinander. Aber sie ist kein feststehendes Naturgesetz, sondern schlicht und ergreifend das Produkt von Unsicherheit und einem wackeligen Selbstwertgefühl.

Wenn wir eine Frau sehen, die scheinbar alles im Griff hat .. die Karriere, das tolle Aussehen, das scheinbar perfekte Leben, dann triggert das sofort eigene Baustellen. Statt diese Unzufriedenheit selbst zu reflektieren, fangen viele an, die andere kleinzureden. „Die hat doch auch nur Glück gehabt“ oder „Wer weiß, was bei der hinter den Kulissen schiefläuft“. Frei nach dem Motto: Wenn mein eigenes Fundament wackelt, mache ich eben das der Nachbarin ein bisschen kaputt, damit ich mich selbst wieder größer fühle.

Warum wir so ticken: Die alte Mangel-Mentalität

Dieses Verhalten fällt nicht vom Himmel, es ist auch ein historisches Erbe. Jahrhundertelang wurde Frauen beigebracht, dass es für sie in der Gesellschaft nur ganz wenige Plätze gibt, sei es der eine „beste Mann“ zur Absicherung oder später einfach nur die Quotenfrau im Vorstand. Uns wurde unbewusst die Mangel-Mentalität eingeimpft: „Wenn die andere erfolgreich ist, nimmt sie mir meinen Platz weg.“ Männer sind mit dem Wissen aufgewachsen, dass es für sie unendlich viele Kuchen gibt; wir Frauen denken oft immer noch, die Stücke seien streng limitiert.

Dazu kommt unsere Erziehung. Mädchen wurden (und werden oft immer noch) dazu erzogen, lieb, angepasst und bloß nicht zu laut oder dominant zu sein. Weil uns dadurch ein Ventil für offene, direkte Konkurrenz fehlt, dieses kurze, reinigende Gewitter wie bei den Männern, verlagert sich der Kampf ins Subtile. Er wandert in den Untergrund, hinter den Rücken, in Form von Missgunst und Neid (Schlangen und so …)

Wie wir den Spieß umdrehen

Wir müssen bitte dringend und ganz unbedingt raus aus dieser Schleife. Und das Schöne ist: Wir können das ganz alleine steuern, und zwar jeden Tag im Kleinen:

  • Innehalten beim Neid: Wenn dich das nächste Mal das Gefühl von Missgunst anspringt, atme kurz durch und frag dich ganz ehrlich: „Was hat das gerade mit MIR zu tun? Welcher eigene Wunsch wird hier gerade getriggert?“
  • Vom Mangel in die Fülle: Wir müssen begreifen, dass der Erfolg oder das Glück einer anderen Frau uns absolut nichts wegnimmt. Im Gegenteil: Jede Frau, die vorangeht, macht den Weg für uns alle nur besser und schöner.
  • Bewusstes Gönnen üben: Mach der Kollegin ein ehrliches Kompliment, feiere die Erfolge deiner Freundinnen laut und teile den Raum, statt ihn verbissen zu verteidigen.

Lass uns endlich mal damit anfangen, das Wohlwollen zu wählen. Es ist an der Zeit, dass wir uns gegenseitig die Krone richten, statt sie herunterzuschlagen. Denn gemeinsam sind wir unschlagbar. Ich kenne so unendlich viele, tolle, intelligente, freundliche, unfassbar lustige, empathische Frauen. Und bin so dankbar, so tolle Frauen meine Freundinnen nennen zu dürfen. Die gegenseitige Unterstützung und das Wohlwollen, mit dem wir uns begegnen, ist das Beste, was uns passieren kann. Feiern wir das doch mal 🖤

eva.

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