Wenn die Feder müde wird. Über den Ton der Zeit und den Wunsch nach Menschlichkeit
Zunehmende Aggressivität, soziale Erschöpfung, mangelnde Empathie: Warum so viele Menschen heute müde sind. Ein persönlicher Blick auf unsere Zeit und den Wunsch nach mehr Bildung, Menschlichkeit und echtem Miteinander.
Es ist nicht nur die Müdigkeit.
Es ist das Gefühl, dass der Ton rauer wird und dass Rücksicht zur Ausnahme wird. Und dass man manchmal kaum noch weiß, wie man sich schützen soll.
Gedanken über Sozialkompetenz, Bildung und die Kraft der Worte.
Müde, aber nicht allein
Es ist tatsächlich ein kollektives Gefühl.
Im Freundeskreis, unter Kollegen, in Nachrichten, Kommentaren, Gesprächen.
Viele sind erschöpft, nicht nur von ihrer Arbeit, dem Alltag, Herausforderungen in der Familie oder Selbstoptimierung, sondern vom Umgangston. Von dieser neuen Aggressivität, die sich laut und selbstverständlich Raum nimmt.
Der Ton macht die Musik und die klingt gerade wirklich schrill
Da ist dieses permanente Ich zuerst und mir das meiste!
Diese ätzende neue Gnadenlosigkeit, mit der Menschen ihre Meinung durchdrücken, meistens ohne Rücksicht, ohne Nachdenken, ohne irgendwelches Mitgefühl. Komplett Übergriffig und distanzlos. Empathie? Nie gehört…
Was zählt, scheint nicht mehr die Argumentation, sondern das Laut sein, das Überfahren und vor allem das Recht haben.
Bildung statt Fanatismus
Was fehlt? Bildung! Nicht nur im akademischen Sinne, sondern vor allem auch im sozialen.
Die Fähigkeit, sich auseinanderzusetzen, ohne andere permanent zu verletzen oder verletzen zu wollen, weil Unterdrückung auch Macht ist.
Zu diskutieren, ohne zu dominieren, Fragen zu stellen, statt sofort zu verurteilen.
Und zu denken, bevor man reagiert.
Denn Bildung schützt nicht vor allem. Aber sie hilft extrem, zu verstehen. Und Verständnis ist doch der Anfang von allem (meistens jedenfalls. Je älter ich werde, desto öfter wird mir aber auch klar, dass ich nicht mehr für alles und jeden Verständnis haben muss oder will.).
Die Feder ist mächtiger als das Schwert, aber sie ist müde
„Words are knives and often leave scars.“
Wie wahr. Worte haben Gewicht und sie hinterlassen ganz, ganz oft Spuren und auch Verletzungen.
Ich habe deshalb eigentlich immer geglaubt: Die Feder ist mächtiger als das Schwert (Danke Marcus Brody)
Aber manchmal ist sie einfach müde. Müde vom Kämpfen, vom Erklären, vom Aushalten und immerzu Dagegenhalten.
Was ich rigoros ablehne und warum das wichtig ist
Ich lehne Fanatismus ab. In jeder Form.
Egal ob im politischen Diskurs, bei Copycats oder im privaten Umfeld.
Fanatismus lässt niemals irgendeinen Raum. Keinen für Zweifel, für andere Meinungen, für Mitgefühl oder für irgendein Dazwischen.
Aber das Leben spielt sich im Dazwischen ab. In so unendlich vielen Zwischentönen, in angenehmen Pausen und doch auch in interessierten Fragen.
Es beginnt im Kleinen
Doch diese Erschöpfung entsteht nicht nur durch Schlagzeilen oder politische Debatten. Sie sickert langsam und krankmachend in unseren Alltag.
In die kleinen Szenen, in denen man früher vielleicht noch gelächelt oder sich bedankt hätte und heute stattdessen angeschwiegen oder angerempelt wird.
Denn was auf den großen Bühnen begonnen hat, findet längst auch auf den kleinen statt.
Im Miteinander zwischen Tür und Angel. Alles ist Krieg und nur der Stärkste gewinnt. Jeder braucht eine Plattform und MUSS Gehör bekommen.
Es ist nicht nur die große Bühne der Politik, auf der der Ton rauer wird.
Es beginnt längst im Alltag. An der Supermarktkasse, beim Aldi-Angebot, auf dem Parkplatz.
Wagen in die Hacken, Ellbogen in der ersten Reihe. Kein „Entschuldigung“, kein Blick, kein Respekt. Hauptsache: Ich zuerst.
Mir das Beste. Und wehe, jemand kriegt mehr als ich.
Was ist das für eine Angst, die uns da antreibt?
Die Sorge, zu kurz zu kommen? Benachteiligt zu werden? Übersehen zu werden?
Diese ständige Unterstellung, andere hätten es leichter, bekämen mehr, hätten es nicht verdient?
Als würden wir alle permanent auf einem riesigen Kuchen stehen und jeder hätte Angst, dass jemand anders sich ein zu großes Stück nimmt.
Was dabei verloren geht? Das Miteinander, das Vertrauen. Einfach so kleine Gesten, die aber große Wirkung haben Das Zusammengehörigkeitsgefühl.
Der Satz: „Ach bitte, gehen Sie ruhig vor.“
Die Idee, dass man nicht weniger hat, nur weil ein anderer auch etwas bekommt.
Krieg auf der Autobahn
Auch auf der Straße zeigt sich dieser neue Grundton.
Das Auto wird zur Rüstung, zur Bühne und zur Waffe.
SUVs, die nicht nur Platz brauchen, sondern auch Dominanz markieren: Ich bin größer. Ich bin stärker. Ich bin zuerst da.
Da wird gedrängelt, ausgebremst, geschubst im Boliden, mit 200 Sachen, das Auto ist Waffe zum Platz schaffen und Größe zeigen.
Es geht längst nicht mehr nur um Fortbewegung. Es geht ums Durchsetzen. Ums Dominieren.
Und wer nicht mitspielt, wird zur Schnecke erklärt. Zum Hindernis… und zum Freiwild.
Was bleibt?
Was ich von Herzen ein minikleines bisschen hoffe? Vielleicht ist dieser Beitrag kein Plädoyer, sondern ein Innehalten oder eine Einladung an uns alle, wieder zuzuhören. Wieder achtsamer zu sprechen.
Und uns daran zu erinnern, dass Menschlichkeit kein Luxus ist, sondern Grundlage von allem.
Spürst du die Müdigkeit? Oder vielleicht die Wut über diese Veränderung im Umgang?
Ich freue mich über deinen Gedanken in den Kommentaren oder als Nachricht..❤️
Manchmal hilft es schon, wenn man merkt: Man ist gar nicht allein.
Eva







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