Wenn keiner mehr fragt…

Wenn keiner mehr fragt…

Wenn keiner mehr fragt…

Warum uns die Gleichgültigkeit leise auseinanderdriften lässt

Wenn keiner mehr fragt, dann wird’s ganz schön still. Ein Blogbeitrag über Beziehungsmüdigkeit, echtes Interesse und warum Nachfragen kein Hinterherlaufen ist.

Man sagt so leicht: Ich laufe niemandem mehr hinterher.
Oder: Nach mir fragt ja auch keiner.
Sätze, die klingen wie Selbstschutz, aber in Wahrheit ist er doch ein kleines Stück Kapitulation. Nein, eigentlich kein kleines, sondern ein großes.

Und wenn wir alle so denken, wenn wir aufhören zu fragen und zu zeigen, dass wir jemanden im Herzen tragen, dann stirbt etwas ganz langsam: das, was uns eigentlich verbindet.

Zwischen Pfauenfedern und Filterblasen

Wir leben in einer Zeit, in der sich viele aufplustern wie ein Pfau (sorry, lieber Pfau, für den Vergleich, aber das ist das Bild, das ich oft im Kopf habe).
Glitzernd, stolz, beeindruckend, aber oft auch ganz schön leer, unecht und einsam.
Nach außen wird inszeniert. Innen bleibt es ganz schön still.
Die eigene Lage erscheint vielen grauer, härter, unzufriedener als sie ist, nicht unbedingt, weil sie es wirklich ist, sondern weil der Vergleich mit anderen uns oft das Gefühl gibt, zu wenig zu haben, nicht genug zu sein.

Und in diesem ständigen Wettlauf und Vergleich, wer schöner, erfolgreicher, glücklicher, reicher scheint, wird das, was leise, echt und menschlich ist (und dringend notwendig), überhört.

Die große Müdigkeit

Es wundert mich nicht, dass so viele überfordert, gefrustet und erschöpft sind.
Viele Menschen sind müde von der Welt, vom Druck und vom Alltag. Und irgendwie leider auch voneinander.
Beziehungen wollen gepflegt werden. Sie brauchen Aufmerksamkeit. Zuhören. Fragen. Interesse. Aber das scheint vielen einfach zu viel geworden zu sein.

Man zieht sich zurück , ob aus Selbstschutz oder aus Erschöpfung oder aus einer Enttäuschung heraus: Weil ja eh keiner fragt. (Ich höre das sooo oft: nach mir fragt auch keiner…) Ist das so?

Und doch ist das ein Trugschluss.
Denn wer nie mehr fragt, dem wird auch nicht mehr geantwortet.
Und wer sich so komplett zurückzieht, wird irgendwann wirklich vergessen. Nicht aus Böswilligkeit, sondern weil wir Menschen Erinnerungen brauchen, kleine Signale. Ein Lebenszeichen.

Was wollen wir denn eigentlich?

Wir wünschen uns Nähe, Verbindung und Verständnis, aber wir geben kaum noch etwas davon. Vielleicht, weil wir glauben, wir müssten stark sein, oder unabhängig. Oder irgendwie trotzig niemandem mehr hinterherlaufen.

Aber Leute, ganz ehrlich: ist echtes Interesse Hinterherlaufen?
Ist Nachfragen ein Zeichen von Schwäche? (Und wenn schon. Dann bin ich doch gerne „schwach“.)

Ich glaube: nein.
Ich glaube, es ist ein Zeichen von Menschlichkeit, von Wärme, von sozialer Intelligenz.
Und ehrlich gesagt auch von Reife (ja Karen, sowas gibt’s) . Wenn ich doch jemanden mag und schätze und Wert auf seine Meinung, seine Gesellschaft und seine Person lege.

Beziehungen brauchen Mut. Auch heute noch.

Wer immer nur wartet, dass andere auf ihn zukommen, lebt irgendwann in einem Vakuum oder? Ich glaube, wir müssen – bei aller gesunden Abgrenzung – wieder lernen, uns zu zeigen. Ganz normal eben, ohne Filter, ohne Glanz und vor allem ohne Leistungsbemessung und Urteil!


Ein „Wie geht’s dir?“
Ein „Ich hab an dich gedacht.“
Ein ehrliches „Ich vermisse dich.“


Das sind keine großen Gesten. Aber sie sind das Fundament unserer Gesellschaft.

Mich hat heute eine furchtbar liebe Kundin gefragt, ob alles okay sei bei mir, weil sie keine Antwort bekomme (die Nachrichten waren tatsächlich durchgerutscht und ich bin aus allen Wolken gefallen und es tat mir unendlich leid). Wie unglaublich lieb und empathisch ist ein Mensch, der jemand anderen, ihm total Unbekannten, fragt, ob alles in Ordnung ist?

Es kommt uns oft so vor, als habe es früher mehr Zusammenhalt gegeben. Mehr Nachbarschaftshilfe, mehr gegenseitige Unterstützung, selbstloses Handeln, „ein Auge drauf haben“, obs dem nebenan gut geht. Das gibt es immer noch und diese eine liebe Kundin war so ein heller Lichtblick!

Denn wer nicht mehr fragt, nimmt sich selbst raus aus dem, was uns alle verbindet.
Und macht sich am Ende einsamer, als er es vielleicht je sein wollte.

Ich kann gut alleine sein. Ich bin sogar sehr gerne alleine, es gibt mir Kraft, ich kann durchatmen, nachdenken, meinen Interessen nachgehen und Energie auftanken. Und trotz allem ist der Mensch keine Insel. Ich möchte wissen, ob es denen, die ich mag, auch gut geht. Was sie denken, was sie fühlen, was sie träumen. Und ich freue mich, wenn ich die, die mir wichtig sind, sagen höre, dass sie glücklich sind. Oder wenn ich Zeit mit ihnen verbringe.


🕊 Also…

Ehrliches Interesse ist kein Zeichen von Schwäche oder?
Es ist das, was unsere Gesellschaft ganz schön bitter nötig hat.
Zwischen Selbstschutz und Gleichgültigkeit liegt ein großer Unterschied.
Und manchmal ist das mutigste, was man tun kann:
einfach trotzdem mal zu fragen.

Eva

Ich fange an ;) Wie geht’s euch? Heute was Tolles passiert?

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Eva

Hallo, ich bin Eva – Kopf, Herz und Hände hinter eva & fee.


Ursprünglich war der Blog als kleines Extra gedacht – als Begleiter zu meinem Shop, eigentlich nur als Blick hinter die Kulissen meiner Arbeit. Ein Ort für Geschichten aus dem Studio, Einblicke ins Töpferhandwerk, Tipps zur Dekoration mit handgemachter Keramik und kleine Styling-Ideen für Hochzeiten, Feste und Herzensmomente.

Aber wie das so ist mit Herzensdingen: Sie wachsen, wenn man sie lässt.

Mittlerweile ist on an appletree mehr als nur ein Werkstatt-Tagebuch. Hier gibt es Gedanken über den Alltag als small business owner, Erlebnisse mit Kund*innen, kleine Zwischenrufe aus der Kategorie Zwischentöne – für alles, was sich zwischen den Zeilen abspielt: zwischen Beruf und Berufung, zwischen Kreativität und Kapitalismus, zwischen Überforderung und Euphorie.

Ich habe den Blog einmal komplett auf Null gesetzt – damit er mehr Raum bekommt. Mehr Übersicht. Mehr Möglichkeiten, auch für euch, euch durchzuklicken, zu stöbern und zu entdecken und mehr Möglichkeiten, dass wir in Kontakt bleiben können.

Ob ihr hier seid, weil ihr euch für Kommunikation interessiert, für Alltagsthemen wie Empathie und Miteinander, für ehrliche Worte oder einfach fürs Leben zwischen Ton, Text und Tüll: Schön, dass ihr da seid.

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