Gelassener werden, weniger diskutieren, Nein sagen ohne schlechtes Gewissen. Ein persönlicher Text darüber, warum es sich lohnt, Energie bewusst einzusetzen und warum innere Ruhe wichtiger ist als Drama.
Warum ich mich heute über vieles nicht mehr aufrege
Es gab eine Zeit, da hab ich UNENDLICH viel diskutiert.
Ich habe erklärt, argumentiert, versucht zu vermitteln, zu klären, Brücken zu bauen. Hab versucht, verstanden zu werden, Dinge geradezurücken, Missverständnisse aufzulösen, mich zu rechtfertigen. Oft mit dem Gefühl, dass man Dinge doch irgendwie lösen muss, wenn man nur lang genug darüber spricht und sich ausreichend Mühe gibt.
Heute mache ich das deutlich seltener.
Nicht, weil mir Menschen oder Themen komplett egal geworden wären, sondern weil sich meine Perspektive ziemlich verändert hat. Und weil ich gelernt habe, dass nicht jede Situation meine Energie verdient, schon gar nicht auf Kosten mentaler Gesundheit.

Wenn sich der Blick weitet
Irgendwann begreift man, dass es Dinge auf dieser Welt gibt, die so schwer wiegen, dass viele Alltagsdramen daneben einfach ihre Bedeutung verlieren. Krankheit, Verlust, Krieg, echte Not: all das rückt die eigenen Aufreger automatisch in ein anderes Licht.
Wenn man das mal wirklich verstanden hat, verändert sich was Grundlegendes. Man reagiert weniger impulsiv, fühlt sich nicht mehr für alles zuständig und merkt, dass man nicht jedes Missverständnis ausräumen und nicht jede Meinung kommentieren muss. Man zuckt öfter mal mit den Schultern…
Manches darf einfach stehen bleiben.
Energie ist kein Selbstbedienungsladen
Was ich auch gelernt habe: Meine Kraft ist begrenzt.
Zeit, emotionale Kapazität, Geduld: all das steht mir nicht unbegrenzt zur Verfügung, auch wenn ich lange so getan habe, als sei das anders.

Früher habe ich viel davon dort investiert, wo nichts zurückkam. In Gespräche ohne echtes Interesse. In Menschen, die immer nur nehmen, aber so gar nix zurückgeben. In Dynamiken, die mehr Kraft kosten als sie jemals geben könnten.
Heute stelle ich mir schneller die Frage, ob sich etwas lohnt. Nicht im materiellen Sinne, sondern emotional. Ob ein Austausch Tiefe hat. Oder ob ich am Ende immer nur erschöpft zurückbleibe.
Wenn Letzteres der Fall ist, ziehe ich mich zurück, ohne Drama, ohne Rechtfertigung. Ich habe dann einfach keinen Nerv mehr dafür. Ich glaube, das geht vielen von uns so mittlerweile oder? Ich frage mich oft, ob das tatsächlich nur an persönlicher Entwicklung liegt oder ob viele von uns dieser Art von Drama einfach überdrüssig sind.

Das heißt nicht, dass ich nur noch Dinge mache, von denen ich persönlich profitiere. Aber ich denke oft: das Aufregen bringt doch nichts! Ich setze meine Energie bewusster ein. Und versuche trotzdem noch empathisch zu sein bei Menschen und Themen, die wichtig sind. Vielleicht hilft dir der Text über Empathie ein bisschen, falls du damit struggelst.

Nein sagen ohne Schuldgefühl
Eines der wichtigsten Learnings war für mich, Nein sagen zu dürfen, ohne mich dafür schlecht zu fühlen und ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Nicht jedes Nein braucht eine Erklärung, nicht jede Grenze muss verhandelt werden.

Du darfst Nein sagen, wenn du etwas nicht möchtest und du darfst Nein sagen, wenn dir etwas zu viel wird.
Und du darfst Nein sagen, weil du deine Ressourcen schützen muss. Es ist eine deiner wichtigsten Formen von Selbstschutz. Wie du dabei Manipulation aus dem Weg gehen und Grenzen setzen kannst, kannst du hier lesen.
Ein Ja, das dich innerlich auslaugt, hilft niemandem. Schon gar nicht auf Dauer.

Weniger Reaktion, mehr Ruhe
Ich diskutiere heute weniger und lasse mehr los. Nicht aus Gleichgültigkeit, sondern aus Gelassenheit. Ich habe verstanden, dass nicht jeder Konflikt lösbar ist und dass manche Gespräche nie zu einem Punkt führen, an dem beide Seiten sich wirklich sehen.
Gelassenheit bedeutet für mich nicht, alles hinzunehmen. Sie bedeutet, bewusst zu entscheiden, wofür ich meine Aufmerksamkeit und meine Ressourcen öffne und wofür nicht.
Die eigenen Kräfte sinnvoll einsetzen
Meine Energie gehört heute den Dingen, die mir wirklich wichtig sind. Menschen, die mir nahestehen, meinen Tieren, Arbeit, die Sinn macht. Momenten, die Tiefe haben und bleiben. Wie man lernt, in dieser von Leistung geprägten Gesellschaft solche Momente zu erkennen? Der Text über Zufriedenheit als Rebellion hilft vielleicht ein bisschen.
Vielleicht ist das eine Form von Reife (oder Gelassenheit mit zunehmendem Alter, es fühlt sich so unendlich entspannt an!). Es ist auf jeden Fall Erfahrung. Und mit Sicherheit einfach die Erkenntnis, dass innerer Frieden so viel mehr mehr wert ist als das letzte Wort in einer Diskussion.
„Ja, du hast Recht“ ist wirklich bei vielen Dingen mittlerweile die beste Wahl.

Wie ist das bei euch?
Gibt es Dinge, über die ihr euch früher sehr aufgeregt habt und die heute einfach an euch vorbeiziehen? Oder Momente, in denen ihr gelernt habt, eure Energie bewusster zu schützen?
Eva






Hey :) Hinterlasse mir gerne einen Kommentar :)