Wenn du plötzlich deiner Intuition nicht mehr traust
Was Gaslighting eigentlich bedeutet
Gaslighting klingt wie ein großes Wort, aber es beschreibt eigentlich oft kleine Situationen, die sich in unser aller Alltag einschleichen. Es geht um diese Momente, in denen deine eigene Wahrnehmung plötzlich ins Wanken gerät, weil jemand sagt: „So schlimm war das doch gar nicht.“ Du merkst, dass es dir wehgetan hat, aber auf einmal bist du unsicher. Und genau diese kleine Innenverschiebung ist der Kern: nicht das, was passiert ist, sondern das Gefühl, dass du dir selbst udn deinem Bauchgefühl, deiner Intuition, nicht mehr trauen kannst.

Die subtilen Formen
Gaslighting passiert nicht immer absichtlich, selten sogar. Meistens steckt überhaupt keine böse Absicht dahinter, sondern ein Automatismus. Viele Menschen wollen beruhigen, schlichten und die Situation kleiner machen, um sie kontrollierbar zu halten udn die Brisanz rauszunehmen. „Ich wollte dich doch nur beruhigen.“ „Ich meine es doch gut.“ Von außen klingt das vernünftig, aber für dich fühlt es sich trotzdem falsch an. Deine eigene Erfahrung wird überdeckt von der Absicht des anderen und genau da entsteht die Dissonanz: Der Wille des Gegenübers ist gut, aber die Wirkung für dich ist verletzend und fatal.
Wie es sich für dich anfühlt
Gaslighting fühlt sich nicht an wie ein Streit, sondern wie ein unauffälliger, aber fieser, kleiner Riss. Es ist dieses unsichere Gefühl, wenn du denkst, du hast unangemessen und zu heftig reagiert oder falsch. Oder empfindlich und komlpett übertrieben. Du fühlst dich, als würde dir der Boden entzogen, den du vorher sicher geglaubt hast. Es verletzt nicht nur wegen des Satzes selbst, sondern weil du denkst:
Die eigene Intuition bekommt keinen Platz, ich bin falsch. Und wenn das immer wieder passiert, entsteht eine tiefe Verunsicherung, die man sehr lange in sich trägt. Das kennt wahrscheinlich jeder von uns oder?
Niemand ist davor geschützt, auch nicht in der eigenen Kommunikation
Das Entscheidende ist: Niemand ist davor gefeit. Weder als Betroffener, noch als jemand, der selbst unbeabsichtigt relativiert und abwiegelt. Auch ich erwische mich manchmal dabei, wie dieser Gedanke aufkommt: „So schlimm ist das doch gar nicht.“ Und die Intention dahinter ist nicht böse. Ich möchte beruhigen, Grenzen setzen, das ganze in Relation setzen und Ordnung in ein chaotisches Gefühl bringen. Man möchte helfen. Aber genau hier liegt der Knackpunkt:
Die eigene Intention und die Wirkung auf den anderen können völlig auseinandergehen.
Man darf Dinge einordnen. Man darf sagen: „Ich glaube, du empfindest das gerade intensiver, als es von außen wirkt.“ Das ist nicht verboten. Aber entscheidend ist der Ton und die Grundhaltung dahinter.
Der Unterschied zwischen „Du übertreibst“ und „Ich merke , dass dich das sehr bewegt, auch wenn ich es anders wahrnehme“ ist riesig. Und er entscheidet darüber, ob sich jemand ernst genommen fühlt oder abgewertet. Und diese Abwertung hinterlässt tiefe Spuren.
Wenn Schweigen Unsicherheit schafft
Es gibt aber auch das komplette Gegenteil: jemand sagt immer wieder „Es ist nichts“, obwohl offensichtlich etwas nicht stimmt. Du spürst ganz genau eine Veränderung in der Atmosphäre, merkst, dass die Stimmung gekippt ist, aber bekommst keine klare Antwort.
In solchen Momenten beginnt die Unsicherheit auf der anderen Seite. Du denkst plötzlich, du bildest dir was ein. Deine eigene Intuition wird brüchig. Und selbst wenn der andere überhaupt nicht verletzen wollte, ist die Wirkung die gleiche:
Deine eigene Wahrnehmung kommt komplett ins Rutschen.

Intention und Intuition sind zwei Kräfte, die sich oft in die Quere kommen
Menschen handeln selten absichtlich verletzend. Es steckt meistens eine Absicht dahinter: schützen, beruhigen, vermeiden, ordnen. Aber Intuition arbeitet mit etwas anderem: mit feinem Spüren, mit Zwischentönen, mit Atmosphären, mit deinem unbestimmten Gefühl.
Aber immer dann, wenn Intention und Intuition nicht zusammenpassen, entsteht Druck.
Der eine meint es gut und will abwiegeln, der andere spürt Schmerz. Beide haben recht aber sie sprechen in unterschiedlichen Sprachen. Und dann braucht es wieder die altbekannte Empathie: die Bereitschaft, nicht nur die eigene Absicht zu erklären, sondern die Wirkung auf den anderen wahrzunehmen, zu verstehen und anzuerkennen.
Empathie als Gegenkraft
Empathie bedeutet nicht, alles gut zu finden oder jede einzelne Emotion zu teilen. Empathie bedeutet aber, wahrzunehmen: „Das fühlt sich für dich so an.“ Auch, wenn es sich für mich nicht so anfühlt. Empathie nimmt die eigene Intention nicht weg, sondern ergänzt sie. Sie schafft Raum dafür, dass zwei Wahrnehmungen gleichzeitig existieren dürfen.
Und genau das verhindert, dass jemand anfängt, sich selbst in Frage zu stellen. Es gibt da kein Entweder Oder. Nur ein Sowohl, als auch.

Ein anderer Umgang miteinander
Vielleicht beginnt ein besseres Miteinander genau dort, wo man beide Dinge im Blick hat: die eigene Intention und die Wirkung auf die anderen. Zum Beispiel, indem du sagst: „Ich wollte dir nicht das Gefühl geben, dass du übertreibst, ich verstehe, dass dich das verletzt hat.“ Es geht nicht darum, immer perfekt zu reagieren. Es geht darum, sich bewusst zu machen, welchen Einfluss Worte auf das innere Erleben eines Menschen haben, selbst wenn man etwas völlig anderes beabsichtigt hat.
Wo ist denn da ein Anfang?
Intuition ist ein ziemlich wichtiger Kompass. Und Empathie schützt ihn. Wenn wir lernen, unsere Absichten klarer zu benennen und gleichzeitig die Realität anderer ernst zu nehmen, wird Kommunikation sicherer, ehrlicher und menschlicher. Niemand macht das perfekt. Aber vielleicht beginnt ein besseres Miteinander genau an dem Punkt, an dem wir aufhören, Gefühle zu korrigieren, und anfangen, sie zu verstehen. Und verstehen zu wollen.
Eva





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